Das Schlachtfest im Herbst

Was ist eigentlich eine Hausschlachtung? Als Hausschlachtung wird in Deutschland eine Schlachtung außerhalb gewerblicher Schlachtstätten bezeichnet, in der Regel am Hof des Tierbesitzers, wobei das erschlachtete Fleisch ausschließlich im eigenen Haushalt des Tierbesitzers verwendet wird.  Das typisches Tier für eine Hausschlachtung ist das Schwein, doch es werden auch Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde, Huhn, Kaninchen und Esel geschlachtet.

Vor 30. Jahren war es ja keine Seltenheit, fast jeder auf dem Dorf hatte seine Tiere zu Hause, zur Selbstversorgung und natürlich auch zum Aufbessern des Haushaltsgeldes. Jeweils zur kalten Jahreszeit wurden diese dann geschlachtet. Das Schwein auf den Fotos brachte 6,20 Zentner auf die Waage, ein Gewicht das heute nur noch bei Selbstaufzucht zustande kommt. In der Industriellen Schlachtung ist ein durchschnittliches Schlachtgewicht von knapp unter 95 kg der Standard. Die ganze hier in Fotos festgehaltene Schlacht Aktion dauerte bis die letzten Würste aus dem Kessel waren von 6:10 bis 16:15 Uhr, natürlich ohne Einkochen!


Beim Hausschlachten muss der Metzger das Schwein aus dem Stall auf den Hof treiben. Meist bindet er ihm dazu einen Strick um ein Hinterbein. Zum Betäuben muss das Schwein mit dem Bolzenschussgerät geschossen werden. Dazu drängt sich der Schlachter mit der Gummischürze von der Seite an das Schwein und setzt ihm den Schussapparat senkrecht auf die Stirn. Durch das Betätigen des Abzughebels wird dem Schwein ein Bolzen ca. 10 cm ins Hirn geschossen und zerstört Teile des Gehirns. Dadurch wird das Schwein betäubt und bricht zusammen.


Dem Schwein wird eine Metallschlaufe um den unteren Hinterlauf gelegt, um das Schwein vom Zucken abzuhalten. Mit einem gezielten Stich in den Hals wird die Halsschlagader geöffnet, so dass das betäubte Schwein, meist unter starken Zuckungen, am Blutverlust stirbt. Das austretende Blut wird aufgefangen und gerührt, um Gerinnung zu verhindern. Es wird meist für Blutwurst oder ähnliches verwendet. Typisch ist auch, dass neben dem Fleisch alle verwertbaren Teile genutzt werden und alles sofort weiterverarbeitet wird.


Die frischen Würste kommen nach dem Stopfen in den großen Kessel, in dem auch der Schweinekopf gekocht wird. Nachdem die Wurst gekocht sind werden sie auf Holzstäbe aufgereiht und kommen in den Räucherofen, bzw. die Räucherkammer die man mit Räucherspänchen angeheizt hat. Natürlich sind beim Kochen einige Würste geplatzt. Je mehr Würste platzen umso besser wird die Wurstsuppe, die es beim Schlachtfest gibt und dazugehört. Wir Kinder haben diese Suppe dann am darauf folgenden Tag auch in der Nachbarschaft verteilt. Gerne wurde damals die Suppe angenommen.

Vom Schwein wird bei der Hausschlachtung eigentlich alles verwendet. Es fällt kaum Abfall an. Nur die Borsten, das Horn der Füße und der Inhalt des Darmes werden nicht verwendet. Die Schweineohren bekommt der Hofhund. Die Füße werden in Salzlauge eingelegt und später mit Erbsensuppe gekocht, eine leckere Mahlzeit in der kalten Jahreszeit. Mit dem Sterben der Hausschlachtung und dem Wegfallen der echten Schlachtfeste verlieren wir eine Tradition die für die Gemeinschaft im Dorf meiner Meinung nach doch wichtig war und noch immer ist.

Das Schlachtfest gehört zum Herbst wie die bunten Blätter am Baum. Wenn der Metzger der sein Handwerk noch in vollem Umfang ausübt Unterstützung durch den Kunden bekommt, wird auch das Schlachten wieder Tierwürdiger.

Redaktion: Jürgen Krohn

Text: M. Wittenberg

Fotos: M. Wittenberg

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