Die Spergauer Lichtmeß

Spergauer Lichtmeß, traditionell und uralt, die Wurzeln schwer nachweisbar, ist in Spergau das Fest der Feste. Am ersten Sonntag im Februar ist in Spergau an Ausschlafen nicht zu denken. Ab 4 Uhr etwa gellen Urlaute durchs Dorf, Fanfaren, Johlen, Geschrei: Traditionsgemäß wird zur Lichtmess geweckt - einem mitreißenden und herzerfrischenden Brauch, der seine Wurzeln bereits in vorchristlicher Zeit hat.

Ab 6 Uhr versammeln sich die Mitglieder der Lichtmessgesellschaft dann im Großen Saal des Gasthofes “Zur Linde“. Gegen 7 Uhr, bevor der erste Sonnenstrahl den Ort erreicht, formiert sich das bunte Volk zum Umzug durchs Dorf. Nun scheinen mittlerweile alle Einwohner Spergaus auf den Beinen, Jung und Alt, und hunderte Schaulustige säumen die Straßen.

Die Kapelle beginnt zu schrummen. Der Lichtmesszug setzt sich in Bewegung. Voran der Läufer, der Bändermann - die wohl prächtigste und den nahenden Frühling verkörpernde Figur, dann der Registrator, ihm folgend die sechs Lichtmessältesten - die Küchenburschen mit ihren Küchenmädchen, schließlich wohlgeordnet all die anderen streng nach Vorschrift kostümierten Lichtmessfiguren: Handelsmänner und Guckekastenmann, Vögel, der Milchkannen- und die Wurststangenträger, Kornweib, Schnurrradmann, Soldaten, Schwarzmacher, Pritscher und Eierfrauen. Der Erbsbär schüttelt an der Kette des Bärenführers bedrohlich sein zu eng gewordenes Winterfell, stößt wild brummend in die Menge. Die zweibeinigen Pferde ziehen, angetrieben vom Kutscher, symbolisch und Funken sprühend einen Pflug zu Felde...

Der Lichtmesszug erreicht den Bäckerplatz - unmittelbar neben der Kirche gelegen. Dort brennt bereits lichterloh ein aus Plunder angefachtes Feuer, und der Lichtmeßzug kommt im Halbkreis zum Stehen. Die zweibeinigen Pferde jagen mit dem Pflug durch die Glut.

Plötzlich hebt der Registrator sein Namensregister - und die ganze wohlgeordnete Gesellschaft gerät schreiend durcheinander: Die Schwarzmacher und Pritscher beginnen ihr Tagwerk. Geschwärzt zu werden ist eine Ehre, die eigentlich nur den Jungfrauen des Ortes zukäme, mittlerweile aber jeder Frau zuteil wird. Mitglied der Lichtmessgesellschaft kann nur werden, wer gebürtiger Spergauer, mindestens 14 Jahre alt, männlich und unverheiratet ist. Ausnahmen bestätigen allerdings auch diese Regeln: “Ältere Herren“ können den Milchkannenträger, den Erbsbär und die Pferde darstellen. Zudem dürfen sechs volljährige und unverheiratete Frauen als Küchenmädchen Partnerinnen der Lichtmessältesten - den Küchenburschen - sein.

Während Schwarzmacher und Pritscher Mädchen und Schaulustige durchs Dorf jagen und mit einer schwarzen Creme beschmieren - um symbolisch den Winter zu vertreiben, ziehen andere Lichtmeßfiguren von Haus zu Haus, singen, tanzen, verkaufen, beschwören, lassen vom Lichtmeßtrunk kosten, treiben Gaben ein zum gemeinsamen Verzehr - gehen Heische. Allen voran der frühlingsbunte Bändermann, der Läufer, der zahllose Wünsche und Hoffnungen fürs kommende Jahr durchs Dorf trägt. Nicht zu vergessen die Lichtmeßkarre, das “Schicksalsgefährt“ - das in sich ein sichtbares Geheimnis birgt, welches früher einmal die nahe Zukunft gewesen sein soll.

Bevor der letzte Sonnenstrahl weicht, versammelt sich die Gesellschaft nach getaner Lichtmeßarbeit wieder auf dem Bäckerplatz - nach rund zwölf Stunden, zur Demaskierung. Der mittlerweile heisere Registrator überprüft erneut die Anwesenheit, dann zieht der fröhliche Tross schunkelnd zum Gasthof “Zur Linde“ weiter - zum finalen Lichtmeßtanz. Hier erreicht die Begeisterung ihren Höhepunkt, werden die Mitglieder der Lichtmeßgesellschaft mit Ovationen empfangen. Es folgen ungestüme Darbietungen der einzelnen Figurengruppen, das so genannte Auskehren des Saales, dann der eigentliche Lichtmeßtanz - eröffnet vom Läufer und dem ältesten Küchenmädchen. Die Stimmung brodelt heftig hoch und hält sich bis weit nach Mitternacht.

Tatsache aber ist, die Spergauer Lichtmeß kann man nicht beschreiben. Die Spergauer Lichtmeß muss man erleben. Weder schöne Worte noch wohlgeformte Sätze vermögen wiederzugeben, was sich an diesem Tag in Spergau abspielt. Zur Spergauer Lichtmeß kann man die sprichwörtliche Einigkeit und das Traditionsbewusstsein der Spergauer live miterleben. Nicht nur die jungen Burschen der Lichtmeßgesellschaft - die Küchenmädchen nicht ausgeschlossen, auch alle anderen Einwohner sind an diesem Tag aktive Mitgestalter dieses traditionellen Festes.

Erleben Sie mit, wenn sich frühmorgens die Lichtmeßgesellschaft zum Umzug durch´s Dorf aufstellt. Erleben sie mit, wenn Pritscher und Schwarzmacher den jungen Mädchen nachjagen und erleben sie mit, wenn die Spergauer der Lichtmeßgesellschaft ihre Türen öffnen, um die geforderten „Abgaben“ zu entrichten. Tauchen Sie mit ein.

Redaktion: Harry Günther

Quelle: Gemeinde Spergau

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